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Die alltägliche Zensur im Netz
Das war ja wohl zu auffällig, jeden Tag eine weitere Stufe der Zensur einzuführen.
Vorgestern war es noch die freiwillige Sperre von Kinderpornos, so als einstiegs totschlag Argument. Da wird schon keiner wagen zu widersprechen. Heute sind es dann plötzlich Glückspiel Webseiten. Gilt das auch für Lotto Hessen? Und was wird es morgen sein? Parteien-Antiwerbung? Wir werden schon einen gemeinsamen Konsens für die Inhalte finden. Geschrieben und publiziert wird dann endlich wieder bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, die die Lizenz zum Internet beschrieben behalten und der Rest schaut in die Röhre und darf lesend konsumieren.
Doch wieder “entartete Kunst”?
Ich dachte die Zeit hätten wir hinter uns und wir und der Rest der Welt hätte was dazugelernt. Aber nein, wie ein Bumerang der Engstirnigkeit kommt diese Kunst-Zensur wieder mal zurück.
Diesmal hat es unsere Nachbarn Polen erwischt. Ein Komitee zur Verteidigung gegen Sekten will dort erst mal die Liste der Künstler vorfilter die ihren Bürgern zugetraut wird. Peinlicher gehts eigentlich nicht mehr.
Erste Opfer davon sind Marilyn Manson und Moonspell. Ich bin zwar nicht gerade Fan von ersterem, aber das hat er/sie/es auch nicht verdient.
Indirekte Vorzensur?
heise online – Familienminister liebäugeln mit weiterer Verschärfung des Jugendschutzes
Die Kombination von manchen Forderungen kann gleichzeitig auch das Aus für private Webseiten mit kritischem Inhalt bedeuten. Da soll nun künftig auch jede Webseite dem Jugendschutz unterliegen und bei entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten nur für Erwachsene zugänglich sein. Gerade aber diese Kontrolle ist sowas von unhandlich, kostenintensiv und Nutzerabschreckend, das eine davon betroffene Seite effektiv dicht gemacht würde.
Und die Entscheidung was nun entwicklungsbeeinträchtigend ist, das kann ggf. sehr gedehnt gehandhabt werden. Jedenfalls ist Blutttaten oder Krieg verherrlichender Inhalt auch auf so mancher Armee-Webseite zu finden. Dort nennt man es dann Werbung oder Anti-Terror-Einsatz.
Netzsperren ausgesperrt
heise online – Gutachten: Netzsperren greifen in Grundrechte ein
Alles gar nicht so einfach. Volkes Stimme schreit immer gerne nach Zensur, aber natürlich nur bei anderen. Denn sonst:
… greifen in erheblichem Umfang in die Meinungsfreiheit der Inhaltsanbieter, die Informationsfreiheit der Nutzer sowie die Berufsfreiheit der Internetprovider ein
War ja eigentlich auch zu erwarten. Eine sehr sorgfältige Abwägung im Einzelfall tut Not.
Was gar nicht geht ist das Abschieben auf private Instanzen, siehe das Sektenbeispiel. Also einfach nicht sperren und auf die Vernunft hoffen, heute bin ich Optimist.




