Archiv für die Kategorie „Wirtschaft“

Gesundschrumpfend in die Osterferien

Mit freundlichen Grüßen an unsere (Ex-)Belegschaften. Gerade vor den Feiertagen machen sich börsenorientierte Firmen an frohe Kunde, natürlich nur für Aktionäre:

  • Siemens will Sparte mit 2100 Mitarbeitern ausgliedern
  • Telekom will jährlich 3000 bis 4000 Stellen bei T-Systems streichen

Das nur die Ergebnisse eines halben Nachrichtentages. Irgendwie ist das Kerngeschäft bei diesen Firmen nur die Gewinnmaximierung. Und keiner macht was dagegen, weil die Kräfte des Marktes so halt sind. Und was macht die Politik?

Gefühlte Inflation

TP: Abwärtstendenz beim Nettoeinkommen hat sich seit 2005 verstärkt

Hatten da nicht noch vor Monaten die Experten gegen die Verbraucher gewettert, das würde alles nur als teurer empfunden? Eigentlich koste ja der Warenkorb nicht viel mehr als normal. Mag ja sein. Aber wenn effektiv weniger Geld zum ausgeben bleibt, fühlt sich das auch alles als teurer geworden an. Sorum hat da leider keiner gerechnet.

Mobiler Generalstreik

Ich bin ja froh nur Fußgänger zu sein. Wer aber zur Arbeit pendelt, der ist diese und besonders nächste Woche echt angeschmiert. Wenn die GDL streikt und dazu der Nahverkehr in Berlin still steht. Dann ist noch der Flugverkehr sichtbar eingeschränkt (heute früh war der Himmel im Rheinmain-Gebiet mal recht Kondensstreifen-reduziert), dann ist man festgesetzt.

Irgendwie klingt das nach einem punktuellen Generalstreik. Prima Sache, ich hätte dann bitte auch mehr Geld, oder genauer gesagt: Ich hätte dieses Jahr gerne Netto nicht wieder weniger als letztes Jahr. Mit einer effektiven Nullrunde wäre ich auch schon zufrieden.

Verstaatlichung der Telkos

Linke will Breitband-Internetanschluss als Grundversorgung – Golem.de

Deklaration als Universaldienst gefordert

Das geht wohl nur, wenn es einen staatlichen Betreiber gäbe. Oder hatten wir das nicht schon mal? Damals hatte es dieser dann schlußendlich auch Monopolist werdende Betrieb immerhin bis zum BTX geschafft, technisch wäre ja nicht mehr möglich, so die feste Überzeugung damals. Will den Zustand wirklich jemand? Niedrigster gemeinsamer Standard und keinerlei Investitionen in dem Bereich?

Da hat wohl jemand zu populär gedacht, ach ja, es sind ja Wahlen am Sonntag. Gut gebrüllt, zahnloser Löwe!

Durchsucht und geadelt

Jede Privatbank die etwas auf sich hält muß diese Woche Besuch von der Steuerfahndung bekommen. Man stelle sich vor es käme niemand! Bedeutet das doch, man hat keine solventen Kunden, sondern nur die Massen der Angestellten, was eine Schande. Der Aktienkurs würde sicher sinken!

Also lieber mal eine Pressemeldung mehr im Ton von Ja, wir hatten Besuch. Und schon ist man wieder wer auf dem Börsenparkett.

Outsourcing mit Risiken

Internetprobleme in Indien und Arabien dauern an – Golem.de

Indirekt sind damit auch Unternehmen aus Europa und den USA betroffen: Viele von ihnen haben Arbeitsprozesse nach Indien ausgelagert.

Ein wenig Schadenfreude den Firmen gegenüber muß hier erlaubt sein. Erst werden die guten aber zu teuren Jobs nach Indien verschenkt und dann wundert man sich über Abhängigkeiten. Da können die inzwischen arbeitslosen IT-ler wenigstens ihren Jobs mal grinsend hinterherwinken. Hoffentlich bringt es wenigstens eine Firma mehr dazu nicht auszusourcen.

Sozialplan oder Karneval?

Deutsche Nokia-Mitarbeiter können nach Rumänien auswandern – Golem.de

Die Angestellten werden dann auch das Angebot erhalten, nach Rumänien auszuwandern und dort weiter für Nokia zu arbeiten.

Das muß eine spezielle Art des Finnischen Humors zur Faschingszeit sein. Oder ist das Angebot ernst gemeint? Wenn das der erkämpfte Sozialplan sein soll, dann war der kein Erfolg. Das Gehalt der Auswanderer wird ja sicher auch auf Rumänien-Niveau gezehntel werden. Und viele der langjährigen Mitarbeiter haben Familie. Wer würde mit gutem Gewissen seine Kinder in Rumänien groß ziehen wollen? Einfach (fast) ohne Worte.

Krankenkassenbeiträge demnächst bei fast 30%?

Was lief denn da wieder im TV? Experten schätzen für die nächsten nur zehn Jahre die Beiträge auf das doppelte Niveau von heute? Von was bitte soll ich bald 30% KKV bezahlen können? Das wäre ja fast das komplette Gehalt eines einzelnen Menschen aus der Branche, kriege ich dann auch einen persönlichen Arzt, direkt im Schrank verbaut?

Und dann kommen wieder die Firmen und mosern über die hohen Lohnkosten. Von wegen! Ich koste nicht viel an Lohn. Ich gebe ja schließlich fast alles gleich wieder der Gesellschaft, dem Staat und den Versicherungen zurück. Der Lohn der für mich übrig bleibt ist sicherlich nicht zu hoch. Und nur den sehe ich als Lohn an, der ganze verschwundene Rest tut mir leid, ist aber nicht meine Schuld.

Karawanen-Kapitalismus

heise online – Steinbrück kritisiert “Karawanen-Kapitalismus”, Merkel verlangt Antworten von Nokia

Da hat es mich doch kurz in den Fingern gejuckt. Ein schönes Wortspiel vom Karawanen-Kapitalismus und auch noch als .DE Domain zu haben, mit und ohne Bindestrich. Aber mehr als eine Domain pro Woche wird nicht mehr registriert. Gestern gab es schon so ein schönes Beispiel, die Subventions-Heuschrecke. Die Domain wurde auch diese Woche erst registriert, auch nicht von mir. Was will man da auch draufstellen? Womöglich eine automatische Weiterleitung zur Firma Nokia? Oder zu BenQ? Oder was auch immer so tagesaktuell an Musterfirmen so sich in das Fettnäpfchen setzt.

IT-Branche fordert (wieder mal) mehr ausländische Fachkräfte

heise online – IT-Branche fordert mehr ausländische Fachkräfte
Das Software-Unternehmen SAP warf Bund und Ländern eine verfehlte Bildungspolitik vor

Na die haben es nötig. Gerade die Großen der Branche entwickeln doch sowieso immer mehr im Ausland. Asien, Osteuropa, Südafrika und auch mal Südamerika werden da gerne als billige Sourcecodequellen genutzt oder gar als Hotline. Wozu braucht man da noch Fachkräfte in Deutschland? Ach ja, fast vergessen, die sollen die zukünftigen Kollegen in Osteuropa ausbilden, um danach selber ihren Job abgeben zu dürfen. Nein, das ist keine Phantasie, sondern erlebte Realität bei manchen Firmen.

Ich sehe da eher mehr Probleme als Nutzen, so eine zugekaufte Fachkraft wird ein sprachliches Wirrwarr anrichten, da sicher englisch nicht die Muttersprache ist. Und gerade bei IT-Konzepten muß man verdammt viel zwischen den Zeilen lesen können, da kein Projekt im Vorfeld wirklich ausgereift dokumentiert ist. Das IT-englisch was manche in Deutschland dann sprechen wird so einen Fremdsprachler auch nicht wirklich glücklich machen.

Letztendlich geht es doch nur darum, den Markt im Preis zu drücken. Ich habe hier keinen Mangel an Fachkräften, aber die mit Wissen im Kopf wollen auch davon leben können und die ewig lange Ausbildung – auch während des Jobs in der Freizeit – muß honoriert werden. Da kommen dann ein paar Euro mehr zusammen. Das wollen die Verbände aber auch nicht hören.

Zukunft 2.0
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